
Das von uns geschätzte Punk-Fanzine ‘Inne Bütten’ hat dieser Tage ein Interview mit uns geführt und uns ganz groß gefietschert. Wir bedanken uns artig. Und zeigen es euch stolz. Hier isses.
TimTom Guerilla: Mainstream können wir nicht!
Kaum jemand kennt diese Band bisher, aber das könnte sich bald ändern. TimTom Guerilla fegen durch die kleineren Alternativ-Clubs mit wütendem Punk und einer Mischung aus endloser Coolness und völliger Naivität. Wir haben die Band in Solms gesehen und sie nach dem Konzert im Backstagebereich in gelöster bis zynischer Stimmung angetroffen.
IB: Ihr geht live ja gut ab.
TimTom: Tja, es macht halt Spaß, unsere Songs zu spielen.
IB: Respekt, die Leute haben echt getobt. War das heute abend ein typisches Konzert für euch?
TimTom: Ja, nur dass statt 75 Zuschauern meistens eher 30 bis 50 da sind (Hannibal lacht im Hintergrund).
IB: Ihr arbeitet gerade an eurer ersten EP ‚Zwischen allen Stühlen’. Die ersten drei Songs gibt es schon als kostenlose Downloads im Internet. Warum verschenkt ihr eure Musik?
(Hannibal: Weil sie sonst keiner haben will! Foo und BoingBoing lachen im Hintergrund)
TimTom: Wenn du als Künstler gerade erst anfängst, ist doch klar, dass keiner dich hören will, geschweige denn Geld für deine Musik bezahlen will. Wir wollen den Leuten erst mal zeigen: Hey, das hier ist gute Musik. Wieso gibst du uns nicht mal ne kleine Chance? Hol dir die Songs und hör sie dir an. Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder andere unsere Sachen gar nicht so schlecht.
IB: Gar nicht so schlecht ist leicht untertrieben. Bei uns in der Redaktion nicken alle mit, wenn wir eure Songs laut aufdrehen. Unter der schreibenden Zunft seid ihr der nächste Geheimtipp.
TimTom: Das ist nett. Aber wir kämpfen mit diesem Geheimtipp-Ding so bisschen. Es wäre schön, wenn mehr Leute unsere Musik entdecken würden. Wir können halt nicht Mainstream.
IB: Ihr seid also nicht die zweiten Green Day?
(Timtom, Hannibal und BoingBoing machen gleichzeitig Kotz- und Würggeräusche, Foo rührt sich nicht.) TimTom: Nein, wir posen nicht.
Hannibal: Zwischen dem, was Green Day machen und was wir machen gibts doch deutliche Unterschiede!
IB: Apropos deutlich: Ihr habt recht deutliche Texte. Stimmt das, dass das BKA bei euch vor der Tür stand?
TimTom: Bei mir vor der Tür. Ja stimmt. Sie hatten irgendwie bei einer online-Durchsuchung das Wort ‚Amoklauf’ auf meinem Rechner gefunden … Keine Ahnung. Jedenfalls war mein Rechner weg. Und irgendwann dann auch meine Wohnung, weil meine Vermieterin dachte, dass ich ein Terrorist bin oder ein Mörder …
(alle lachen)
IB: Worum geht es denn überhaupt in dem Song (Anmerkung: Ballade vom Amoklauf)?
TimTom: Es geht um einen Menschen, der von den Behörden oder dem Staat total willkürlich und ungerecht behandelt wird, und um die Gefühle, die er dann so hat.
IB: Würdest du wirklich jemanden mit Handgranaten oder Bomben angreifen?
TimTom: Nein, natürlich nicht. Aber kennst du das nicht auch, dass man manchmal so Hassfantasien hat? Wenn man ungerecht behandelt wird oder so? Ich hab mal erlebt, wie ein Freund, der querschnittsgelähmt ist, beim sozialamt Hilfen beantragt hat, der wollte ein Auto für Querschnittsgelähmte bezahlt haben. Und die haben ihm ernsthaft gesagt, er soll doch lieber Bus fahren. Die haben ihn behandelt wie in kleines Kind, dabei ist bei ihm nicht der Kopf kaputt, sondern die Beine!
IB: Wen meinst du, wenn du singst ‚Du bist ein Arschloch’?
TimTom: Jeden. (alle lachen) Nee, weiß ich nicht. Ich war irgendwie grundsätzlich wütend, als das Lied entstand. Auf niemanden Besonderes. Das Lied ist so ne Art Ventil, da kann man es mal rauslassen. Es gibt ja viele Gelegenheiten, wo man einem sagen möchte oder sollte: du Arschloch!
IB: TimTom Guerilla, danke für das Gespräch.
Das Gespräch führte Nils Holgersson.